George Ivanovich Gurdjieff
„Meister des Augenblicks“
Ein kleiner Auszug über diesen bemerkenswerten Menschen.
Viel Freude beim Lesen und dem weiteren Herausfinden welche Geschenke er uns hinterlassen hat.
George Ivanovic Gurdjieff wurde ca. 1866 in Alexandropol Armenien ( heute Gyumri) geboren.
Als junger Mann war er auf der Suche nach spirituellen Traditionen und Riten und unternahm Reisen durch Vorder- und Zentralasien um seinem steten Streben nach Höherem zu folgen. Um 1912 gründete er in Rußland sein erstes ‚Institut für die harmonische Entwicklung des Menschen‘. Weitere Stationen seines Lebens führten ihn nach Istanbul, Berlin und nach Frankreich, wo er sein Institut erneut aufbaute.
Gurdjieff ist der Begründer des „4.Weges“
George
Gurdjieff war ein Mystiker, der im 19. und 20. Jahrhunderts das
Wissen um alte Weisheiten mit neuem Leben erfüllte. Er lebte auf der
Schwelle zweier Zeitalter: Er erlebte das Ende einer vorindustriellen
Gesellschaft und übertrug deren Erbe in eine Welt, in der Mythologie
und Symbolismus quasi nicht mehr existierten.
Bereits als
Jugendlicher ahnte Gurdjieff, dass es ein Wissen geben müsse, das
den Menschen in die Lage versetzte, sich selbst zu transzendieren.
Und er fühlte, dass solche Kenntnisse nur
mit besonderen Anstrengungen errungen werden könnten.
Also organisierte er Forschungsreisen in exotische Länder, um nach
verschollenen Traditionen zu suchen und traf schließlich auf eine
geheime Bruderschaft.
Die Sarmoun-Bruderschaft
Die Ursprünge der Sarmoun-Bruderschaft verlaufen sich im Dunkeln, doch finden sich Spuren ihrer Existenz seit der Regierungszeit Hammurabis in Babylonien. Das Wort Sarmoun bedeutet ‚Biene’. Den Sarmounis (den Bienen) wird nachgesagt, dass sie Lehren haben, deren Ursprünge bis in die Zeiten vor der Sintflut zurückreichen. Einmal mehr stoßen wir hier auf die Metapher der Arche. Es ist durchaus möglich, dass es ein physikalisches Ereignis wie die Sintflut nie gegeben hat, und dass die Bruderschaft mit diesem Bild vielmehr auf ihre Verantwortung verweisen wollte, die Arche alter Weisheit durch die Fluten der Zeit zu steuern. Ihre Lehre versteht objektives Wissen als eine materielle Substanz, die wie Honig gesammelt und aufbewahrt werden kann. Die Sarmoun-Bruderschaft war sich offensichtlich der periodisch auftretenden Zerstörungs- und Erneuerungsprozesse der Menschheit bewusst, und sie glaubten, dass ihre Überlieferungen den unveränderlichen Kern einer ewigen Weisheit darstellten, zu dem die Menschheit immer Zugang haben sollte. In kritischen Phasen der Menschheitsgeschichte verteilte die Sarmoun-Bruderschaft ihren ‚Honig‘ mittels speziell ausgebildeter Repräsentanten auf der ganzen Welt.
Der vierte Weg
„Erkenne dich selbst“ – Wege zur Selbsterinnerung
„Selbsterkenntnis schmeichelt nicht, und der Mensch neigt dazu, eher alles andere als sich selbst zu erforschen. „
Aufgrund
und in Bezug
der Hermetischen
Gesetze * ist es eben dieses Nicht-Wissen-Wollen,
das Unwissenheit
verursacht. Um
überhaupt irgendetwas zu erkennen,
hat Gurdijeff anstelle des
Begriffs der Selbsterkenntnis das Prinzip der Relativität
vorgeschlagen, d.h. der Wert einer Erkenntnis hängt von einer
entsprechenden Selbsterkenntnis ab. Der Mensch wird dadurch
gezwungen, die äußeren Welten in Relation zu sich selbst zu
bestimmen und kann somit jede Lehre, die nicht der Selbsterkenntnis
dient, zurückweisen. Der Begriff Relativität schafft eine analoge
Verbindung zwischen dem Erwerb von Wissen und einer damit verbundenen
Anstrengung.
Ein weiterer objektiver Aspekt des Vierten Weges
war der Begriff Einheit und Vielfalt. „Erkenntnis bedeutet alles zu
wissen“, sagte Gurdjieff und zitierte einen alten Aphorismus. „Nur
einen Teil zu kennen, bedeutet nichts zu wissen. Um alles zu wissen,
muss man nur wenig wissen. Doch um dieses Wenige zu erkennen, muss
man sehr viel wissen.“ Es gilt also nicht, alles und jeden zu
kennen, sondern diese Quintessenz, die alles und jeden ausmacht, zu
erkennen.
Letztendlich ist der Vierte Weg ein pragmatischer Weg
– ein Weg, den man gehen muss, – der allerdings demjenigen, der
sich auf diesen Weg begibt, eine wirkliche Veränderung des
Bewusstseins verspricht. Es geht nicht darum mehr zu lernen, sondern
mehr im Sein zu
sein.
Um die Lücke zwischen Wissen und Weisheit zu schließen bedarf es der Übung, und regelmäßiges Üben erfordert Praxis in kurzen Intervallen – den Übergang von Worten zu Taten. Andauerndes Bewusstsein verlangt ein jederzeit abrufbares Bemühen, die eigenen Ziele, auch angesichts eines flüchtigen Verlangens oder eines vorgegebenen Axioms, nicht aus den Augen zu verlieren. Praktisches Arbeiten benutzt Worte lediglich um sie zu transzendieren.
Auszug Rede Gurdjieff:
„Keiner
von euch hat die wichtigste Sache, auf die ich hingewiesen habe,
bemerkt … keiner
von euch hat bemerkt, dass ihr euch nicht an euch selbst erinnert.“
(Gurdjieff hat diese Worte besonders betont.) „Ihr empfindet euch
nicht, ihr seid euch eures
Selbst
nicht bewusst. Bei euch beobachtet es,
genauso wie es
spricht und es
lacht. Ihr habt kein Gefühl für: Ich
beobachte, ich
stelle fest, ich
erkenne. Es wird alles nur festgestellt, es wird erkannt. … Um sich
selbst wirklich betrachten zu können, ist Selbst-Erinnerung
unabdingbar.“ (Aus „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“, S.
124)
Selbst-Erinnerung
ist die Brücke zwischen Wissen und Weisheit.
Es ist eine Bemühung, sich seiner selbst in der Gegenwart bewusst zu
sein, jede imaginäre Vorstellung, wie verlockend sie auch sein mag,
von einem Moment auf den anderen zu verlassen, um in die Wirklichkeit
zurückzukehren. Es bedeutet die Fähigkeit zu einer sofortigen,
innerlichen Reorganisation: Das automatische Denken und Fühlen in
den Hintergrund zu stellen, um das Höhere Selbst hervortreten zu
lassen – sich
seiner selbst zu erinnern.
Die „Upanishaden“ sind eine umfassende Abhandlung über das Selbst, und wie sehr es notwendig ist, sich daran zu erinnern und es an die vorderste Front zu stellen.
Ein grundlegender Aspekt des Vierten Wegs, der bei den meisten modernen spirituellen Übungen fehlt, besteht darin, dass die geistige Entwicklung des Menschen an eine Größenordnung gebunden werden muss, die eben größer als der Mensch ist.
Deswegen ist der Vierte Weg exklusiv. Er ist für alle da, aber er schmeichelt niemandem. Es ist auch kein Weg, der halbherzig gegangen werden kann. Er ist ein Weg für desillusionierte Menschen, die zu viel wissen – die wissen, dass sie auf der Suche nach gelebter Weisheit nichts zu verlieren haben.
Enneagramm

„Für jeden der neun Enneagramm-Typen sieht die Welt anders aus, und durch das Nachempfinden der Gefühle eines jeden können sie von Ihrem Standpunkt abstrahieren und verstehen, wer die Menschen in Ihrem Leben wirklich sind, statt bei ihrer Beurteilung nur Ihren eigenen Vorstellungen zu folgen. Wenn Sie sich für die Eigenheiten anderer öffnen, entwickeln Sie Mitgefühl für ihre Situation, Empathie; und wenn Sie die Welt aus der Sicht anderer Denk- und Empfindungsweisen betrachten, wird Ihnen sofort bewusst, dass jeder durch eine typische Befangenheit begrenzt ist.“ (Helen Palmer 1991, 25)
Heute
sehr verbreitet und populär ist das Symbol des Enneagramms, das mit
einer Persönlichkeitstypologie verbunden ist, von Gurdjieff jedoch
ursprünglich als Prozessmodell zum Verständnis kosmischer Gesetze
und den Gesetzen menschlicher Entwicklung eingeführt worden war.
Wie
die → gnostische oder → alchemistische Tradition, die in seine
Lehre eingeflossen ist, entwickelte er eine eigene Sprache und
Ausdrucksform, die heute schon wieder antiquiert erscheint, jedoch
mit Absicht gewählt wurde. Gurdjieff formulierte seine Lehre als
neuen Vierten
Weg: es
gelte die Wirklichkeit selbst, das alltägliche Leben zum geistigen
Arbeitsfeld zu machen, die Arbeit an den Dingen in Arbeit an sich
selbst zu verwandeln. Während die meisten Seelenärzte nach
Harmonisierung des Gemüts strebten, versuchte er den Gegensatz im
Menschen zu akzentuieren: nur
in bewusster
Trennung von absichtlichem Leiden — der dauernden Übung der
Selbstüberwindung im Aufsuchen von Schwierigkeiten im Gegensatz zur
heutigen Kultur des „Sichleichtmachens“
und bewusster
Arbeit im Studium der Weltgesetze, die allerdings der
zeitgenössischen Wissenschaft zum großen Teil verborgen sind, da zu
ihrer Erkenntnis eine andere Bewusstseinslage
notwendig ist, kann der Mensch eine innere Spannung erzeugen, in der
seine Seele der Klärung und Befreiung fähig wird. Gurdjieff
verkündete, daß alles Heil in unserer Zeit nur durch Arbeit an sich
selbst erreicht werden könne.
Bekannte überlieferte Zitate von Gurdjieff
„Es ist ein großer Fehler zu denken, dass ein Mensch immer gleich ist. Ein Mensch ist nie lange derselbe. Er verändert sich ständig. Nicht einmal für eine halbe Stunde bleibt er derselbe.“
„Ohne Selbsterkenntnis, ohne die Arbeitsweise und Funktionen seiner Maschine zu verstehen, kann der Mensch nicht frei sein, er kann sich nicht selbst regieren, und er wird immer ein Sklave bleiben.“
„Bewusster Glaube ist Freiheit. Emotionaler Glaube ist Sklaverei. Mechanischer Glaube ist Torheit.“
„Der mag ein bemerkenswerter Mann genannt werden, der sich durch seine Geistesgaben von den ihn Umgebenden unterscheidet, und der weiß, wie er durch die Offenbarung seiner Natur eingeschränkt ist, und der sich gleichzeitig gerecht und tolerant gegenüber den Schwächen der Anderen verhält.“
„Wenn ein Mensch die Wirklichkeit erfahren hat, ist er verantwortlich für das, was er mit seinem Leben macht.“
„Aufrichtigkeit ist der Schlüssel zur Selbsterkenntnis und aufrichtig zu sein bringt großes Leid.“
„Das Sex zur fast einzigen vitalen Form menschlicher Kommunikation geworden ist, ist eine durch unzulängliche Schulung, falsche Erziehung und schlechte Angewohnheiten entstandene Form von Missbrauch der sexuellen Energie.“
„Ich fordere Sie auf, nichts zu glauben, was Sie nicht selbst verifizieren können.“
Werke:
u.a.
„ Beelzebubs Erzählungen für seinen Enkel“
„ Begegnungen mit bemerkenswerten Menschen“
und weitere…
Weiterführende Links:
*
(
Hermetische
Philosophie und
Bezug im Karma-Krieslauf–
1. Das Prinzip der Mentalität2. Das Prinzip der Entsprechung 3. Das
Prinzip der Schwingung 4. Das Prinzip der Polarität 5. Das Prinzip
des Rhythmus 6. Das Prinzip von Ursache und Wirkung
7. Das
Prinzip des Geschlechts.)